Wenn ich Eltern erklären soll, was AMU (Aufbauender Musikunterricht) bedeutet, vereinfache ich, wohl wissend, daß hinter dieser Frage eine andere lauert – nämlich: Wozu überhaupt Musikunterricht? Mathe, Informatik, Bankwirtschaftlehre inkl. Kreditkartennutzung für Grundschüler scheinen doch einen vielfach höheren Stellenwert zu haben als Musik, die man ja sowieso aus dem Internet fix und fertig erhält, ohne sich dafür anstrengen zu müssen.
An dieser Stelle mit „Musik als Wert an sich” zu argumentieren, wird im traditionellen Bildungsbürgertum sicherlich großteils positiv aufgenommen, bei allen anderen eher Unverständnis hervorrufen, denn: Mathe wäre das ja wohl auch wichtig und im Gegensatz zur Musik könne man damit später z.B. als Ingenieur auch richtig gut Geld verdienen.
Schlimmer noch: Ein Instrument zu erlernen sei viel zu zeitaufwendig, allein die täglich anfallende Überei, die doch beim wöchentlichen Fußball- oder Tennistraining inkludiert sei.
Dazu nehme ich wie folgt Stellung: Ich schlage die Samstagsausgabe meiner Tageszeitung bei den Stellenangeboten auf, tippe blind auf eines der größeren Inserate und werde mit Sicherheit bei den Bewerbungsanforderungen folgende Kriterien finden:
Eigeninitiative und selbständiges Arbeiten – Kommunikation und Teamfähigkeit – verhandlungssichere Deutsch- und andere Sprachkenntnisse.Vergleichen wir diese mit den Grundpfeilern des AMU Im sozio-musikalischen Kontext:
Und – unausgesprochen –
Natürlich werden Uneinsichtige damit argumentieren, daß dies alles auch von anderen Fächer und/oder Hobbies geleistet wird. Niemand wird dies bestreiten wollen. Ebenso unbestreitbar ist allerdings auch, daß ausschließlich die Musik bzw. das Musizieren alle dieser Kompetenzen zugleich und spielerisch vermittelt.